Raphael Kovarik: Österreichs jüngster Puppenbauer
Bereits in frühen Kindertagen entdeckte Raphael Kovarik seine Leidenschaft für das Kasperltheater. Die Passion für die kleinen Figuren und ihre Geschichten endete jedoch nicht mit dem Übergang zur Jugend. Mit 13 Jahren begann der geborene Niederösterreicher, eigene Kasperlfiguren zu bauen und vollständige Stücke zu schreiben. Mittlerweile füllt Raphael ganze Theaterhäuser und begeistert Hunderte Kinder mit seiner Kasperlkiste.
Was wäre eine Kindheit ohne Kasperltheater? Kaum vorstellbar in unseren Breitengraden. Irgendwann kommt jedes Kind mit den kleinen, handgesteuerten Puppen und ihren witzigen Geschichten in Berührung. Im Fall von Raphael Kovarik war dieser Kontakt so prägend, dass er nicht mehr von Kasperl und seinen Freunden loskam. Seine Eltern grasten mit ihm jedes erdenkliche Kasperltheater in der Gegend ab, erzählt Raphael auf seiner Website:
„Bereits im Kindergartenalter war ich begeistert von dieser kleinen Welt, in der die Puppen leben und die spannendsten Abenteuer bestehen. Meine Eltern und Großeltern mussten mit mir zu jeder Kasperlvorstellung fahren, die in unserer Nähe veranstaltet wurde. Ich war eben ein richtiger Kasperlfan!“
Der Blick hinter die Kulissen sowie ein Meet and Greet mit den Darstellern gehörte jedes Mal dazu. Kein Wunder also, dass Raphael sich bald selbst als Puppenspieler und Puppenbauer versuchte: „Schon im Kindergartenalter habe ich am Freitag, als jeder sein Spielzeug mitnehmen durfte, mein Kasperltheater in den Kindergarten mitgenommen,“ erzählt er. Die ersten herzeigbaren eigenen Kasperlfiguren entstanden, als Raphael erst 13 war. Rückwirkend betrachtet machte sich der 1999 in Hollabrunn Geborene damit zum wohl jüngsten Puppenspieler und Puppenbauer Österreichs.
Erste Kasperlaufführungen auf Kindergeburtstagsfeiern
Dass sein Talent Anklang findet, merkte Raphael schnell. Denn auf Geburtstagsfeiern und kleineren Festen war sein kleines Kasperl-Ensemble gerne gesehen. Die Familie half mit, die junge Kasperlbühne möglichst professionell umzusetzen und so entstand bald „Raphis Puppenbühne“. Im Jugendalter musste der Niederösterreicher für seine Leidenschaft manchmal auch Spott einstecken. „Im Gymnasium ist Kasperltheater natürlich nicht mehr das Coolste. Jeder, der Fußball, Basketball oder Handball spielt, ist angesehener als einer, der sagt ‚Ich mache jetzt Kasperltheater‘“, erinnert sich Raphael. Stoppen konnte ihn das allerdings nicht. Und das ist gut so.
Kinder wollen es nett, auch wenn es sich um das „Böse“ handelt
Die jahrelange Erfahrung als Zuschauer, Puppenspieler und Pädagoge packt Raphael in seine Arbeit hinter dem Kasperlvorhang. Dabei achtet er auf die kleinsten Details, wie er erzählt:
„Mir ist zum Beispiel aufgefallen, dass Kinder viel besser auf Figuren reagieren, die einfach nett ausschauen. Klar gibt es Bösewichte, die auch ein bisschen gruseliger aussehen können. Aber das sollte immer noch in einem Rahmen sein, also die Kinder sollten sich nicht fürchten, allein wenn sie die Figur nur sehen.“
Um die perfekten Figuren für seine kleinen Zuschauer zu kreieren, investiert Raphael viele Stunden: „Für den Kasperl habe ich mehrere Monate gebraucht. Das sind ein paar hundert Stunden.“ In Geld umgerechnet bedeutet das: Prädikat unverkäuflich. Einen kleinen Einblick in die Entstehung einer Kasperlfigur gibt Raphael in unserem Video.
Wie aus Raphis Puppenbühne die Kasperlkiste wurde
Auch im Kasperlland sind modernes Marketing, Rebrandings und Renamings keine Fremdwörter. Und so hob Raphael im Jahr 2021 die Kasperlkiste aus der Taufe. Stolz präsentiert er sich und seine neu gegründete Kasperlkiste im Internet. Dass der Plan aufgeht, zeigt der volle Terminkalender. Übrigens: Auf der Bühne ist der mittlerweile in Wien lebende Puppenspieler ein wahrer Multitasker. Raphael ist nicht nur eine One-Man-Show, sondern auch noch ein Garant für Abwechslung. Denn von Aufführung zu Aufführung wechselt er die Stücke samt zugehörigen Kulissen. Wer die Kasperlkiste für eine Veranstaltung bucht, kann mittlerweile aus stolzen 19 Stücken auswählen. Das Repertoire reicht von A wie „Adventkranz“ bis Z wie „Zirkuspferd“. Übrigens: Hauptberuflich peilt Raphael eine Karriere als Volksschullehrer an. Angesichts des Erfolgs seiner Puppenbühne läuft aber wohl alles auf eine Doppelkarriere hinaus.

Raphael Kovarik im Word-Rap
Bühnen, Kameras und Mikrofone gehören für Raphael Kovarik längst zum Alltag. Zu seinen Stationen in der Öffentlichkeit zählen unter anderem ein Besuch im Ö3 Studio bei Andi Knoll, ein Auftritt in der Sendung „Mahlzeit Burgenland“ auf Radio Burgenland oder sogar ein kurzes Gastspiel im offiziellen TV-Werbespot von McDonald’s. Wir haben Raphi mit einem kurzen Word-Rap konfrontiert. Die Kasperl-Szenen im Video stammen vom Auftritt der Kasperlkiste im Vindobona am 19. Jänner 2025.
Einblicke in die Wiener Kasperlszene
Spannendes Detail am Rande: Es gibt in Österreich tatsächlich eine sehr lebendige Kasperlszene. Diese ist alterstechnisch gut durchmischt und jeder kennt jeden, wie Raphi im Interview meint:
„Die Kasperlszene ist relativ klein und es spielt sich so gut wie alles in Wien ab. Da kennen sich wirklich alle Puppenspielerinnen und Puppenspieler. Und wenn irgendjemand ausfällt oder krank ist, springt man gerne für sie oder ihn ein.“
Starres Konkurrenzdenken gibt es also nicht in der Wiener Kasperlwelt, vielmehr geht es darum, eine alte Tradition für nachfolgende Generationen am Leben zu halten.
Analoger Zeitgenosse ohne Ablaufdatum
Dass das streng analoge Puppenbühnenkonzept inmitten unserer digitalisierten Welt nach wie vor funktioniert, verwundert wenig. Schließlich spricht das Kasperltheater ein uraltes menschliches Bedürfnis an, das uns allen innewohnt: Das Bedürfnis nach Zerstreuung und Unterhaltung, und jenes nach der Auffrischung alter Kindheitserinnerungen. Passend liest sich in diesem Zusammenhang die abschließende Anekdote von Kasperlkisten-Erfinder Raphael Kovarik: „Es kommen auch immer noch Erwachsene in die Vorstellungen, teilweise ganz ohne Kinder. Die wollen einfach zurück in die Kindheit versetzt werden. Es kommt immer wieder vor, dass Leute nach der Vorstellung zu mir kommen und sagen: ‚Wir haben zwar keine Kinder, aber es hat uns trotzdem Spaß gemacht!‘“


