Lukas Bernhart: Zu Besuch auf der Lama- und Alpakaranch
Das Herz von Lukas Bernhart schlägt für Tiere. 24 Stunden täglich, sieben Tage die Woche. Wenn er nicht gerade hauptberuflich die Affen im Zoo betreut, widmet er sich ganz den Lamas und Alpakas auf seiner Ranch. Unser Porträt über Lukas und seine Lama- und Alpakaranch im niederösterreichischen Ringelsdorf dreht sich vor allem um eines: Wohlfühlen durch „Wollfühlen“.
Unweit der Staatsgrenze zur Slowakei und Tschechien herrscht wolliges Wuseln. Hier erstreckt sich die Lama- und Alpakaranch Bernhart über zwei Hektar Wiesenfläche. Mehr als genug für die freudigen Luftsprünge der flauschigen Ranchbewohner. Bereits mit zwölf Jahren kaufte sich Lukas sein erstes Lama und verwirklichte sich gemeinsam mit seiner Familie einen lang gehegten Traum: „Damals haben wir die Lama- und Alpakaranch Bernhart gegründet. Als Anfangsprojekt hatten wir zwei Lamas und ein Alpaka“, erinnert sich der gelernte Tierpfleger. Mittlerweile zählt der Hof ganze siebzehn Tiere, davon zehn Lamas, sechs Alpakas und ein Vikunja.
Die Anfänge der Lama- und Alpakaranch Bernhart
Lukas ist eher zufällig in die Lama- und Alpakawelt gestolpert, wie er im Interview erzählt:
„Ich habe damals Wellensittiche gezüchtet und habe eine größere Voliere gebraucht. Ein befreundeter Tischler hat uns die Voliere aufgebaut. Als ich ihn gefragt habe, was er für die Arbeit bekommt, meinte er, dass ich ihm ab und zu bei seinen Lamas helfen könnte. Immer am Wochenende und wenn ich schulfrei hatte, war ich bei seinen Lamas. Und bald entstand meine Idee, ein eigenes Lama zu bekommen.“
Gesagt, getan. Lukas bekam sein erstes Lama. Dieses war zu Beginn beim Freund, dem Tischler, beheimatet und in dessen Stall eingestellt. Nach etwa einem Jahr fasste Lukas‘ Familie dann den Entschluss, in Drösing einen eigenen Hof zu eröffnen und ein zweites Lama zu kaufen. Danach ging es Schlag auf Schlag, erinnert sich der Weinviertler: „Unser erstes Lama war die Sissi. Unser zweites Lama war dann die Sunny, die zufälligerweise sogar die Mama von der Sissi war. Danach haben wir noch den Darius dazubekommen, er war unser erstes Alpaka.“

Blick auf die Lama- und Alpakaranch Bernhart, im Vordergrund mit Lama "Sunny".
Lama-Wanderungen statt lahmer Wanderungen!
Das Hauptaugenmerk der Lama- und Alpakaranch Bernhart liegt laut Lukas auf den Lamas: „Wir züchten hauptsächlich Lamas. Alpakas sind vor allem für Wanderungen.“ Das Angebot umfasst aber nicht nur Lama- und Alpakawanderungen, sondern auch Kindergeburtstage oder selbstgemachte Produkte aus der Wolle der Tiere. Das Portfolio reicht von Schuheinlagen und Bettdecken, über Seifen bis hin zur Strickwolle.
Tiere haben Lukas immer schon fasziniert:
„Wir hatten schon Meerschweinchen, als ich ein ganz kleines Kind war. Wir hatten einen Hund, Wellensittiche und Papageien. Ich glaube, dass diese Tierfaszination ein bisschen in unserer Familiengenetik liegt, weil mein Opa auch schon immer sehr viele Tiere hatte. Auch meine Mama und mein Papa hatten immer schon mit Tieren zu tun. Dazu kommt noch mein Cousin, der Pferde hat.“
„Tiere spiegeln den Menschen“
Hauptberuflich ist Lukas Tierpfleger in einem großen Zoo. Hier ist er vor allem für die Affen zuständig. Die Arbeit mit Tieren sei eine sehr dankbare, meint Lukas: „Ich habe immer schon gerne mit Tieren gearbeitet. Man bekommt immer was zurück von ihnen und sie spiegeln immer auch ein bisschen den Menschen.“
Und wie sind Alpakas eigentlich so? Laut dem Ranch-Besitzer haben sie ein sehr genügsames Naturell: „Alpakas brauchen nicht viel. Das Wichtigste ist, dass Heu und Wasser im Stall sind. Außerdem misten wir einmal am Tag den Stall und die Weide aus.“ In Summe plant Lukas dafür täglich etwa eine Stunde Arbeit ein. In der restlichen freien Zeit kann er sich voll und ganz den Alpakas und Lamas widmen, zum Beispiel in Form von Trainings für die Wanderungen. „Unsere Lamas und Alpakas sind total stressunempfindlich bei den Wanderungen“, sagt Lukas stolz und fährt fort: „Sie sind ausgeglichen und ruhig, wenn sie eineinhalb bis zwei Stunden wandern gehen.“
Wie relaxed die Lamas und Alpakas von Lukas selbst bei unseren Dreharbeiten waren, zeigt unser Video.
Neue Pläne für die Lama- und Alpakaranch
Für die Zukunft existieren bereits jede Menge Ideen. Eine davon soll schon demnächst umgesetzt werden, sagt Lukas: „Dieses Jahr kommen Eventwanderungen dazu, zum Beispiel Weinwanderungen. Die Wanderungen werden geführt sein und am Schluss gibt es dann eine Weinverkostung.“ Darüber hinaus will uns Lukas aber noch nichts verraten. Nur so viel: Zum Hauptberuf will er die Alpakas und Lamas nicht machen. Und das aus einem guten Grund: „Wir haben alle unsere Jobs und so bleibt das Geld, das wir mit Lama- und Alpakawanderungen einnehmen, rein für die Alpakas.“

Lukas Bernhart mit einigen seiner Lamas und Alpakas
Zwischenfrage: Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Alpaka und Lama?
Ein Lama- und Alpaka-Interview ohne Frage nach den zentralen Unterscheidungsmerkmalen? Gibt’s nicht! Zum Glück klärt uns Lukas auf:
„Das Lama ist immer größer und das Alpaka ist immer das kleinere Tier. Ganz markant sind auch die Ohren: Alpakas haben sehr kleine Stiftohren, Lamas besitzen Bananenohren. Früher kannte man Alpakas und Lamas auch sehr leicht anhand der Kopfbewollung auseinander, weil Alpakas deutlich mehr Kopfbewollung hatten. Allerdings gibt es jetzt deutlich mehr Wooly-Lamas, die auch eine sehr starke Kopfbewollung haben.“
Somit ist eine Verwechslung beim nächsten Besuch der Ranch ausgeschlossen.
Bleibt den Lamas und Alpakas in Ringelsdorf eigentlich die Spucke weg?
Ach ja. Da wäre noch die Sache mit dem Spucken. Muss man als Ranch-Besucher eigentlich Angst davor haben? „Vor Alpakas und Lamas braucht man überhaupt keine Angst zu haben“, versichert Lukas und ergänzt: „Das Spucken ist in den dreizehn Jahren, in denen wir Wanderungen anbieten, vielleicht zwei Mal passiert.“ Wenn es dann doch mal jemanden trifft, ist es meist der Tierpfleger selbst: „Ich bin meist der Hauptbetroffene, weil ich eben auch Behandlungen am Tier durchführe, wie zum Beispiel Nägel schneiden. Und das Nägel schneiden haben sie nicht besonders gern.“
Interessantes Detail am Rande, aus dem Mund des Profis: „Die Spucke von Lamas und Alpakas ist harmlos. Wenn man sie ins Auge bekommt, brennt es vielleicht ein bisschen. Vor allem, wenn die Tiere die Spucke direkt aus dem Magen heraufbefördern. Das ist dann eine komplett grüne Paste.“ Aber wie bereits erwähnt: Wer die Lama- und Alpakaranch besucht und dabei kein Pediküre-Set mitführt, bleibt mit hoher Wahrscheinlichkeit trocken. Und auch unser Lokalaugenschein hat bestätigt: Die Lamas und Alpakas von Lukas sind nicht nur streichelweich, sondern auch völlig entspannt und friedlich. Klare Empfehlung für den nächsten Familienausflug also!








