Ulrike Dziurzynski: Sie gründete Wiens besten Escape Room
Oft scheint es, als stünden erfolgreichen Menschen stets alle Türen offen. Dass dem nicht so ist, weiß Ulrike Dziurzynski, Co-Founderin von Wiens bestem Escape Room. Im Konzept von „Open The Door“ ist der Name Programm. Auf dem Weg zum durchschlagenden Erfolg des Escape Games klopfte die Torschlusspanik aber des Öfteren gewaltig an die Tür. Im Interview mit uns sprach Ulli über die Licht- und Schattenseiten ihres Business.
Wien, zehnter Bezirk. Columbusgasse, Ecke Hardtmuthgasse: Hier liegt jenes Altbauhaus, in dem die Magie von „Open The Door“ passiert. Im Jahr 2015 hoben Ulli und ihr Mann Filip ihren Escape Room aus der Taufe. Der Standort lag damals allerdings noch in der Alserstraße nahe dem Alten AKH. Der Escape-Game-Trend war gerade ganz frisch in Europa angekommen, „Open The Door“ hatte sich in Österreich schnell als einer der ersten Trendsetter auf dem Gebiet etabliert.
Escape Rooms: Erlebnisräume für Menschen
Das Mission Statement von Ulli und Filip ist schnell erklärt: „Open The Door soll ein Erlebnisraum sein, aus dem man mit einem Lächeln wieder rausgeht“, erzählt Ulli im Interview mit rolemodel.at. Ihr Escape Room setzt dabei auf eine raffinierte Mischung aus Storytelling und Tech-Verliebtheit. Für die technischen Spielereien ist hauptsächlich ihr Mann verantwortlich. Die Besucherinnen und Besucher dürfen sich unter anderem auf multifunktionale Hexenbesen, futuristische Lichteffekte und viele überraschende Wow-Momente freuen.
Wie bei „Open The Door“ alles begann
Die Entstehungsgeschichte von „Open The Door“ steht den Stories der einzelnen Escape Games in punkto Spannung um nichts nach. Ulli und Filip haben sich nämlich im fernen Afrika kennen und lieben gelernt:
„Unsere Reise hat in Äthiopien begonnen. Wir waren dort beide als Volontär tätig nach unserer Schulzeit, am Anfang des Studiums. Das war alles sehr zufällig. Wir haben beide in einem Haus für Kinder mit intellektueller Behinderung mitgeholfen und sind bis jetzt noch mit diesem Projekt verbunden. Filip kommt ursprünglich aus Polen und dort haben wir auch unseren allerersten Escape Room gespielt.“

Aus Leidenschaft wurde Business
Schnell reifte die Entscheidung, aus der Leidenschaft einen Beruf zu machen, erzählt Ulli: „Die Leidenschaft steht bei uns ganz vorne. Filip und ich spielen selber sehr viele Escape Rooms durch. Wir haben mittlerweile 250 Räume weltweit besucht. Dieser Spaß am Rätsellösen betrifft uns selber so sehr und diese Freude wollen wir jemand anderem auch geben.“ Als die beiden „Open The Door“ in Wien Alsergrund eröffneten, steckte die Branche noch in den Kinderschuhen. Die Komplexität der Spiele hielt sich sehr in Grenzen, erinnert sich Co-Founderin Ulli:
„Am Anfang war alles noch manuell und mittlerweile ist alles automatisch. Also egal was du machst, es kommt immer irgendeine Reaktion.“
Apropos Reaktion: Nach der Eröffnung im neunten Bezirk im Jahr 2015 dauerte es nicht lange und die Escape-Fans rannten Ulli und Filip buchstäblich die Tür ein. Schnell bildete sich eine treue Community:
„Wenn man ein gutes Produkt hat, kommen die Menschen gern und sie kommen auch immer wieder. Wir erleben, dass Menschen alle Spiele durchspielen und dann auch fragen, wann es mit etwas Neuem weitergeht.“
Nichts ist so beständig wie der Wandel
Die vielen Stunden der Vorbereitung und Planung lohnten sich letztlich. „Open The Door“ machte sich sogar international einen Namen und räumte bald die ersten Auszeichnungen ab. Sicherlich auch deshalb, weil das Escape Business sich immer wieder neu erfand. Alle paar Jahre wurden neue Räume geöffnet, bestehende Games erhielten regelmäßig technische Upgrades. Und ganz allgemein entwickelte sich die Branche von einer eher manuell dominierten zu einer hochtechnisierten mit allerlei Special Effects und digitalen Feinheiten. Bald stieß die Infrastruktur am alten Standort in der Wiener Innenstadt an ihre technischen Grenzen. Also musste eine neue Lösung her.

Ulli zeigt uns einen ihrer Escape Rooms namens "Der Schatz des Kolumbus".
Aller Neuanfang ist schwer
Nach etlichen Besichtigungen, Planungen und Verhandlungen war es dann so weit: Ulli und Filip hatten ihren neuen Standort in Wien Favoriten gefunden. Nach einer Reihe von aufwändigen Umbauten und Anpassungen erfüllte dieser die gesamte Palette der vorgeschriebenen Auflagen. Und die sind in Österreich gelinde gesagt streng, zumal für Escape Rooms dieselben Bestimmungen gelten wie für Veranstaltungsstätten. Ausreichende Notausgänge, Notlichter, rigorose Brandschutzbestimmungen und Entlüftungsmaßnahmen sind nur einige wenige Beispiele.
Im Februar 2020 sollten dann die Freudenglocken zur Neueröffnung läuten. Taten sie auch, allerdings nur sehr kurz: „Wir haben im Februar 2020 den ersten Raum hier am neuen Standort eröffnet“, erinnert sich Ulli und ergänzt:
„Der erste Lockdown war dann im März und wir waren relativ lange davon betroffen. Wir waren sogar einmal sechs Monate durchgehend geschlossen. Wir haben aber die Zeit genutzt, unsere anderen Räume weiterzubauen. Das war auch mental eine sehr gute Ablenkung während der Corona-Zeit. Aber finanziell war das natürlich nicht einfach.“
Am Ende öffnet sich immer eine Tür
Das Ende der Geschichte kennen wir alle: Letztlich ging alles gut. Die schier unendlich wirkende Pandemie klang ab und machte wieder Platz für Normalität. Ulli und Filip haben gekämpft. Und sie haben es geschafft, erzählt Ulli stolz:
„Es gibt im Leben immer gute Zeiten und herausfordernde Zeiten. Was ich gelernt habe ist nicht stehen zu bleiben, auch wenn man vielleicht Angst hat und sich überwältigt fühlt. Es ist immer gut, vorwärts zu gehen und im Prozess des Gehens zu sein und weiter zu machen. Wichtig ist es, nicht aufzugeben und immer Menschen um sich zu haben, die einen auch ermutigen.“
Apropos weitermachen: Demnächst expandiert „Open The Door“ um ein ganzes Stockwerk und bekommt einen fünften Spieleraum.
Das ausführliche Interview zu „Open The Door“
Unser Gast-Redakteur Christoph Eisbacher hat mit Ulli über ihr Projekt gesprochen. In unserem Video erzählt sie, wie sie gemeinsam mit ihrem Mann Filip Barrieren überwunden und Herausforderungen gemeistert hat.










